Die Zeit ist reif für einen Wechsel in Balgach

BALGACH. Der Wahlstab von Reto Schmidheiny und das überparteiliche Komitee luden am 5. Juni die Medien ins Schloss Grünenstein, um ihren Kandidaten vorzustellen und die Beweggründe für die Kandidatur für das Balgacher Gemeindepräsidium zu erläutern. Andreas Frank, Mitglied des überparteilichen Komitees und des Wahlstabes führte durch die Pressekonferenz. Weiter dabei waren Märk Nüesch, Interimspräsident der FDP Balgach, Dirc Marty, Präsident der SVP Balgach und Mitglied des überparteilichen Komitees und der Kandidierende selbst, Reto Schmidheiny. Martina Jenny, ebenfalls Mitglied des Wahlstabes und des überparteilichen Komitees musste ihre Teilnahme leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. 

Nicht die Faust im Sack machen

Andreas Frank, Mitglied des überparteilichen Komitees und des Wahlstabes, schilderte in seiner Einführung, dass die FDP Balgach und viele Balgacher Bürgerinnen und Bürger mit der Entwicklung, Führung und Kommunikation der Gemeinde unzufrieden seien. «Viele getrauen sich noch nicht, ihre Meinung öffentlich kundzutun. Wenn wir jedoch etwas verändern wollen, braucht es das Engagement der Bürgerinnen und Bürger», meinte Andreas Frank. Die Mitglieder der FDP hätten diese Woche deshalb Reto Schmidheiny als Kandidat für das Gemeindepräsidium bei einer sehr hohen Beteiligung einstimmig nominiert. Zudem formiere sich ein überparteiliches Unterstützungskomitee, zu welchem man bereits die SVP zählen dürfe und welches täglich wachse. Frank betonte, dass es nicht darum gehe, die jetzige Gemeindepräsidentin persönlich anzugreifen, es gehe nicht um Personen, sondern einzig und allein um die Sache. Die Hauptverantwortung für den Zustand einer Gemeinde trage nun mal das Gemeindepräsidium. Hier möchte man die Situation ändern und nicht weitere 4 Jahre zuwarten. 

Die nachfolgenden Referenten legten die weiteren Beweggründe anhand sachlicher Themen und Beispiele dar. Märk Nüesch, Interimspräsident der FDP Balgach, sprach über die regionale Reputation, das Wohnen im Alter in Balgach, den vernetzten Verkehr und die Zusammenarbeit der Gemeindepräsidentin mit dem Gemeinderat. 

Balgach verliert an Reputation

Nüesch führte aus, dass in der Region keine aktive, lösungsorientierte und kooperative Mitarbeit von Balgach in diversen Projekten und Zweckverbänden erkennbar sei. Zudem bedauerte er es sehr, dass Balgach mit dem Rücktritt der Gemeindepräsidentin als Leiterin der Fachgruppe Standortmarketing im Verein St. Galler Rheintal in keiner für die Entwicklung der Region bedeutsamen Organisation mehr federführend agiert. Balgach – einst als offene, kooperative Gemeinde bekannt – verliere zusehends an Reputation und isoliere sich in wichtigen regionalen Bestrebungen. Ein anderes Thema, welches Nüesch beschäftige, sei die Umsetzung des Altersleitbildes, welches 2012 unter dem Vorgänger von Silvia Troxler erarbeitet wurde. «Beim Thema altersgerechtes Wohnen ist kein Fortschritt erkennbar. Ein umfassendes und zeitgemässes Konzept fehlt bis heute und mögliche Chancen einer gemeinsamen Lösung mit der inzwischen realisierten Überbauung am Schwalbenweg oder dem Traubenareal wurden verpasst», mahnte Nüesch eingehend. Auch beim Thema vernetzter Verkehr sieht er Handlungsbedarf. Bis heute seien keine Ansätze für eine Lösung des belastenden Individualverkehrs erkennbar. Der Einbezug der Bevölkerung habe nur ansatzweise stattgefunden, eine regelmässige Kommunikation über den Stand der Arbeiten fehle. Weiter meinte er, von aussen betrachtet scheine der Gemeinderat in die Arbeit der Gemeindepräsidentin nicht wirklich als Team miteinbezogen zu werden. Die Gemeindepräsidentin sehe sich wohl eher als Einzelkämpferin und nicht als Teil des Gemeinderates. Das Vorwort des aktuellen Geschäftsberichtes zeige dies deutlich auf, indem sie nicht die Meinung des Gemeinderates, sondern ihre persönliche Meinung nach aussen vertrete. 

Keine Fortschritte erkennbar

Dirc Marty, Präsident der SVP Balgach und Mitglied des überparteilichen Komitees stellte Defizite in der Orts- und Raumplanung, dem Hochwasserschutz und der Informationspolitik fest.

Die Orts- & Raumplanung gehe seit Jahren nur schleppend voran. Bei der Entlastung des Dorfkerns sei kein Fortschritt erkennbar, es werde nicht informiert. Auch die dringende Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes von 2017 ziehe sich im Vergleich zu anderen Gemeinden in die Länge. Weiter sei der mit der Balgacher Bevölkerung im letzten Jahr durchgeführte Workshop zur Orts- und Raumplanung versandet. «Es wurde dem Bürger Feedback versprochen wie es weitergeht, darauf warten wir seit einem Jahr. Ich fühle mich als Bürger einfach nicht ernst genommen», führt er aus. Ganz fatal findet Marty den Umgang mit den schon lange identifizierten Gefahrenpotenzialen beim Hochwasser. Bei einem 30-jährigen Hochwasser stünden grosse Teile von Balgach unter Wasser. Dies wisse man schon lange. Wann es jedoch für dieses dringende Problem eine Lösung gäbe, sei völlig unklar. Dies sei inakzeptabel. Generell bemängelt Marty die Informationspolitik der Gemeinde. Es werde nur zögerlich und zu wenig kommuniziert und es fehle an Transparenz. 

Defizite bei Wirtschafts-, Informations- und Kulturpolitik

Für die kurzfristig gesundheitlich verhinderte, parteilose Unternehmerin, Martina Jenny, erläuterte Andreas Frank ihre Beweggründe, sich im Wahlstab und im überparteilichen Komitee zu engagieren. Ihr ginge es vor allem um die Bedürfnisse der Wirtschaft, die Personalpolitik der Gemeinde und die Handhabung kultureller Anliegen.

Die Welt verändere sich rasant Richtung Digitalisierung. Die umliegenden Gemeinden würden ihre Infrastruktur aufrüsten, damit die Wirtschaft gut aufgestellt sei. In Balgach passiere diesbezüglich nichts. Beispiel sei die Realisierung eines Glasfasernetzes. Andere Gemeinden seien Balgach weit voraus. Als Unternehmerin findet Martina Jenny es persönlich sehr schade, dass regelmässige Kontakte nur mit den Betrieben im Leica-Areal, nicht aber zwischen der Gemeinde und den KMU Betrieben und dem Gewerbe stattfinden würden. So könnten die Bedürfnisse der lokalen Unternehmen nicht wirklich in die Gemeindepolitik einfliessen. Als Unternehmerin weiss Martina Jenny, wie wichtig es ist, Schlüsselmitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Die Fluktuation von Schlüsselpersonen in der Gemeinde Balgach macht ihr Sorgen. Innert acht Jahren musste das Schlüssel-Amt des Gemeinderatsschreibers bereits fünf Mal neu besetzt werden. Zudem habe die Gemeinde in dieser Zeit ausgewiesene Fachkräfte verloren. Als Aussenstehende frage man sich: Was ist da los? Auch punkto Kultur sieht Martina Jenny Handlungsbedarf. Viele kulturelle Aktivitäten seien in letzter Zeit eingeschlafen oder sang- und klanglos verschwunden (Beispiel Suuserfescht, BalgArt, Aktivitäten des Kulturvereins). Martina Jenny wünscht sich mehr Unterstützung für kulturelle Projekte und Freizeitanliegen von Bürgerinnen und Bürgern sowie ermutigende Impulse aus dem Gemeindehaus.

Gut verankerter Macher

Reto Schmidheiny (55 Jahre), Gemeinderat und Kandidat der FDP für das Gemeindepräsidium stellte sich im Anschluss gleich selbst vor. Er sei familiär und verwandtschaftlich in Balgach verwurzelt, wohne seit über zwanzig Jahren in der Gemeinde und sei in einigen Vereinen und Gremien aktiv. Familien-, Ausbildungs- und Freizeitthemen erlebe er durch seine vier Kinder hautnah. Er könne sich so auch in die unterschiedlichsten Familienmodelle hineinfühlen. Das Rüstzeug für das Gemeindepräsidium habe er einerseits durch seine Ausbildung an der Hochschule St. Gallen mit dem betriebswirtschaftlichen Studium und der Vertiefungsrichtung Organisation, aber auch durch die verschiedenen beruflichen Tätigkeiten und «Training on the Job» erworben. Seine politische Erfahrung als Gemeinderat und seine frühere Tätigkeit in der GPK der OMR (Oberstufe Mittelrheintal) runden sein Profil ab.

Schmidheiny sieht sich als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Wichtig seien ihm eine transparente Informationspolitik und eine aktive Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, der Parteien und anderen Interessengruppen. Am Herzen liege Schmidheiny das Wohl der Bevölkerung und die Beseitigung der durch die Vorredner aufgezeigten Mankos.

„Ich habe keine Angst vor dem Amt, aber Respekt vor der Aufgabe. Ich habe auch keine Angst, Fehler zu machen, Fehler werden passieren, diese kann man ausbessern, sich entschuldigen, daraus lernen“, meint Reto Schmidheiny. 

Die Zeit ist reif für den Wechsel

Andreas Frank hob zum Schluss hervor, dass mit Reto Schmidheiny eine Persönlichkeit für das Amt des Gemeindepräsidenten zur Verfügung stehe, die in verschiedener Hinsicht einen Glücksfall darstelle. Besonders hebt er seine kommunikative Art und Bürgernähe sowie seine Netzwerker-Fähigkeiten hervor. Diese würden ihm bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben helfen. Es gehe nun darum, Versäumnisse aufzuholen und die Gemeinde Balgach so weiterzuentwickeln, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder zufrieden seien und das gute Image von Balgach wiederhergestellt werden könne.